Bearbeiter: Dr. J. Manteufel, N. Leinecker, Prof. Dr. U. Truyen
Das feline Calicivirus (FCV) ist ein seit vielen Jahren bekannter Erreger von Erkrankungen des oberen Respirationstraktes bei der Katze. Das Erkrankungsbild der Infektion variiert sehr stark und ist von mehreren Faktoren abhängig: der Infektionsroute, der Infektionsdosis, der Virulenz des Stammes, dem Alter des Tieres und dem Status der Immunabwehr. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich aerogen über virushaltige Sekrete des Nasen-/Rachenraums. Feline Caliciviren haben als unbehüllte Viren eine hohe Stabilität in der Umwelt und sind je nach Umweltbedingungen für mehrere Tage bis Wochen infektiös für andere Katzen.
Klinik:
Die Infektion mit dem felinen Calicivirus kann in der akuten Form mit Nasen- und Augenausfluss, Niesen, Fieber, Konjunktivitis, Stomatitiden und, wenn auch selten, temporäre Lahmheiten infolge einer Arthritis einhergehen. Das Bild der chronischen FCV-Infektion ist hauptsächlich gekennzeichnet durch chronische Stomatitiden und Gingivitiden, die sich in der Praxis nicht selten als ein hartnäckiges klinisches Problem darstellen und schwierig zu therapieren sind.
In den letzten Jahren gab es, vornehmlich aus den USA, mehrere Berichte von Ausbrüchen hypervirulenter Stämme von FCV, die ein deutlich verändertes klinisches Erkrankungsbild bei hoher Morbidität und Mortalität aufwiesen. Die als „hemorrhagic-like" beschriebene Erkrankung schließt Symptome wie Anorexie, hohes Fieber, Nasenausfluss, Ulzera in der Mundhöhle, Ikterus, Erbrechen, Durchfall, Gesichts- und Pfotenödeme, und ulzerative Dermatitiden ein.
Ziel der aktuellen Forschungsarbeiten ist es die antigene Variabilität aktueller FCV-Feldisolate mittels molekularbiologischer Methoden näher zu charakterisieren. Im Fokus stehen dabei insbesondere hypervirulente Stämme aus Deutschland. Trotz der hohen antigenen Diversifität gibt es nur einen Serotyp. Die Frage, ob es eventuell verschiedene Biotypen gibt, das heißt ob es einen Zusammenhang zwischen den genetischen und antigenetischen Eigenschaften verschiedener Isolate und der Art und Schwere der klinischen Erkrankung gibt, ist Gegenstand der aktuellen Forschungsarbeit.